Mittwoch, der 16. April 1919

Gustav Noske erklärt mit dem „Karneval des Wahnsinns“ in der bayerischen Hauptstadt aufzuräumen. Insgesamt schickt er unter dem Kommando der Generalleutnants Ernst von Oven und Arnold von Möhl über 30.000 Soldaten nach München. Rund die Hälfte davon besteht aus Freikorpsverbänden, darunter die Marine-Brigade Ehrhardt und eine Einheit, die von dem bayerischen Obersten Franz Ritter von Epp geführt wird, der später NS-Reichsstatthalter in Bayern werden wird.

Die Münchner Räteregierung versichert jedoch, es drohe keine Gefahr, die rote Armee halte die gegnerischen Truppen bei Dachau in Schach. Tatsächlich können die „Roten“ dort den „Weißen“ eine weitere Niederlage beibringen. Rudolf Egelhofer möchte die gefangenen Offiziere standrechtlich erschießen, doch der inzwischen zum Truppenführer ernannte Literat Ernst Toller weigert sich. Auf seinen Druck hin, wird ein einstweiliger Waffenstillstand geschlossen.

Tollers Kollege Gustav Landauer dagegen zieht sich auch der Räteregierung zurück. In einem Brief an den kommunistischen Aktionsausschuss schreibt er: „Ich verstehe unter dem Kampf, der Zustände schaffen will, die jedem Menschen gestatten, an den Gütern der Erde und der Kultur teilzunehmen, etwas anderes als sie.“ Er versichert aber, er mache diese Mitteilung streng privat, um „das schwere Werk der Verteidigung, das Sie führen“ nicht zu stören.

Die Regierung beschlagnahmt das in befindliche Geld der Reichsbank. Außerdem werden 110 Millionen Mark gedruckt und die Unternehmer angewiesen, Lohnausfall für den Streik zu zahlen. Geschäften, die „böswillig schließen“ wird die Nationalisierung angedroht, die Mitglieder des Revolutionstribunals der vorherigen Räteregierung verhaftet. Für den Gründonnerstag wird zum ersten Mal seit über hundert Jahren die zeremonielle Fußwaschung an zwölf armen, alten Männern abgesagt.

 

In Kurland haben sich die Spannungen zwischen Deutschbalten und der bürgerlichen Regierung in Libau verschärft. Ein Teil der deutschen Truppen, die Baltische Landeswehr, verhaftet kurzerhand die Staatsführung. Es brechen Unruhen aus, auf die der deutsche Kommandeur von der Goltz mit der Verhängung des Ausnahmezustandes regiert. Nach einem Monat wird eine Marionettenregierung eingesetzt, die komplett von den deutschen Truppen abhängig ist.

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