Mittwoch, der 13. November 1918

Nach der Kapitulation des Osmanischen Reiches besetzen die alliierten Truppen Istanbul. Sie werden erst am 23. September 1923 wieder vollständig abziehen, nachdem die Türkei ihren Befreiungskrieg gewonnen und eine Revision des Friedensvertrag von Sèvres erreicht hat.

 

Der deutschen Regierung versichert US-Außenminister Lansing, dass die Alliierten sich einig seien, alles zu tun, um die ehemaligen Kriegsgegner mit den nötigen Lebensmitteln zu versorgen. Der Präsident habe die Absicht „die leidende Bevölkerung von der Angst vor dem übergroßen Elend zu befreien, so dass sie ihre Vernunft und ihre Tatkraft nicht in gewagten Unternehmungen aufreiben, sondern für weitere Aufgaben des Politischen Wiederaufbaus zurückgewinnt.“

In Deutschland ist der 13. November der Tag, an dem die meisten Kronen fallen. Nach einigem Zögern und Lavieren verzichtet auch Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg auf seinen Thron. Dadurch entsteht rund um Altenburg und Eisenberg der kleine Freistaat Sachsen-Altenburg, wie zuvor das Herzogtum zweigeteilt und mit vielen Exklaven. Im Mai 1920 geht er im Freistaat Thüringen auf. Auch Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, gebürtiger britischer Prinz, aber glühender deutscher Nationalist (und in der NS-Zeit hochrangiges NSDAP-Mitglied), resiginiert, nachdem ihn der örtliche Arbeiter- und Soldatenrat schon am 9. November für abgesetzt erklärt hat. Sein Land zerbricht. Während Gotha sich ebenfall dem neugebildeten Freistaat Thüringen anschließt, fällt Coburg an Bayern. Das ehemalige Fürstentum Lippe dagegen besteht nach der Abdankung von Fürst Leopold IV. noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Das gleiche gilt für Anhalt, wo Regent Aribert im Namen seines minderjährigen Neffen, Joachim Ernst, abdankt. Dieser wird ein besonders tragisches Leben haben. Obwohl er als NS-Gegner drei Monate im KZ Dachau inhaftiert war, internierten ihn die Sowjettruppen nach Kriegsende im Speziallager Buchenwald, was ihn das Leben kostete. Friedrich von Waldeck-Pyrmont dagegen, von Philipp Scheidemann „Friedrich der Trotzige“ genannt, verweigert einen Thronverzicht, so dass extra eine Abordnung des Kasseler Arbeiter- und Soldatenrat nach Arolsen reist, um ihn abzusetzen. Zu einer Verfassungsänderung kommt es trotzdem nicht und so wird Waldeck schließlich 1929 aufgelöst und in die preußische Provinz Hessen-Nassau eingegliedert. Am 14. November wird dann Friedrich Franz IV., Großherzog von Mecklenburg- Schwerin und Reichsverweser von Mecklenburg-Strelitz, seinen Abschied nehmen, am 15. November Adolf II. von Schaumburg-Lippe.

Am Abend kehrt Matthias Erzberger nach Berlin zurück und trifft sich sofort mit der neuen Regierung, um Bericht zu erstatten. Man kommt überein, dass Erzberger Leiter der Waffenstillstandskommission bleiben soll und damit die Erfüllung der Bedingungen – die zentrale außenpolitische Aufgabe – koordinieren wird. Dabei ist Erzberger alles andere als begeistert von der Revolution. Er wettert über die Feigheit bürgerlicher und adeliger Kreise, sie einfach geschehen zu lassen und eine rein sozialistische Regierung zu akzeptieren. Im Gegensatz zu fast allen Autobesitzern in Berlin lässt er seinen Dienstwagen auch nicht rot beflaggen, sondern wählt Schwarz-Rot-Gold, die Farben der Märzrevolution von 1848. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihm der neue preußische Kultusminister. Adolph Hoffmann von der USPD hat den Ruf eines Pfaffenfressers und versucht nun, jeglichen Einfluss der Kirchen auf das Schulwesen zu unterbinden. Erzberger mobilisiert in der Folge die Zentrums-Anhänger und unter ihnen namentlich die Frauen, sich politisch zu engagieren, um das Ende der Bekenntnisschulen zu verhindern.

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