Dienstag, der 31. Dezember 1918

Die Berliner stürmen Buden und Warenhäuser, um Silvesterulk zu kaufen: Masken, Pappköpfe, Kappen und Hüte mit Aufschriften wie „Ich bin geladen“ oder „Ich pumpe jeden“, Karten mit ähnlichen Sprüchen zum Anstecken an den Rockkragen, Silvesterblei, Scherzpfannkuchen, die mit Sägespänen gefüllt sind, Explosionszigaretten und Kognakflaschen, die klingeln, wenn man sie an den Mund setzt.

 

Das Berliner Tageblatt beschert seinen Lesern eine Glosse von Kurt Tucholsky (alias Peter Panter), in der sich all die abgelaufenen Jahre versammeln und plötzlich 1918 völlig fertig im abgetragenen Feldgrau und mit einem schweren Sack voller Kronen hereinrumpelt und berichtet, wie verrückt auf der Erde alle geworden sei. Und wie sich dann 1919 „vornehm zurückhaltend, in einem weichen, grauen Tuchanzug, mit bewegungslosem Gesicht“ und einem Koffer voll gutem Willen auf den Weg dorthin macht.

 

Und das Reichsschatzamt gibt noch künftige Steuerpläne bekannt: Die Kriegsgewinne sollen durch eine Sonderabgabe abgeschöpft, bestehende Vermögen, Erbschaften und hohe Einkommen stärker als bisher belastet werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.