Mittwoch, der 5. März 1919

In Berlin kommt es zu schweren Zusammenstößen von Teilen der Republikanischen Soldatenwehr und der Volksmarinedivision auf der einen Seite und Lüttwitz-Truppen auf der anderen. Soldatenwehr und Matrosen waren zum Alexanderplatz beordert worden, um Plünderer festzunehmen und dort – angeblich versehntlich – von den Freikorps-Leuten beschossen worden. Ein Anführer der Volksmarinedivision, der im Polizeipräsidium die Vorfälle klären will, wird beim Verlassen des Gebäudes hinterrücks erschossen. Daraufhin beginnen die Matrosen Waffen an die Arbeiter auszugeben. An den Zugängen zum Alexanderplatz werden Barrikaden errichtet. Der Vorwärts beschuldigt später die Volksmarinedivision mal wieder, sich mit den Spartakisten verbündet zu haben. Bedenkt man aber, dass sich in den Reihen der Lüttwitz-Truppen auch jene Einheiten befanden, die am Weihnachtstag eine schmähliche Niederlage gegen die Matrosen erlitten hatten, dann ist der Gedanke nicht unwahrscheinlich, dass die Freikorps-Leute absichtlich das Feuer auf die Matrosen eröffneten, anstatt mit ihnen kämpfen zu müssen. Mit in die Auseinandersetzung gerissen wurde die Republikanische Soldatenwehr. Damit gerieten nun tatsächlich die letzten in der Arbeiterschaft verankerten, loyalen Truppen auf die Seite der Aufständischen.

Wilde Gerüchte wie das, im Polizeipräsidium wären 60 Matrosen exekutiert worden, erschienen nach den Ereignissen im Januar glaubhaft und riefen immer wieder neue Mitkämpfer auf den Plan. Die Gefechte dauern die ganze Nacht über an. Doch am Ende gelingt es den Lüttwitz-Truppen, das Gebäude zu halten. Doch die Heftigkeit der Kämpfe bestärkt wieder mal all jene, die an eine ernsthafte Gefährdung des Staates durch gut organisierte, zu allem entschlossene Bolschewisten glauben. Das Bündnis mit den Freikorps schien damit notwendiger denn je.

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