Montag, der 20. Januar

Gegen Mitternacht werden die ersten Wahlresultate bekannt. Heidelberg ist die erste größere Stadt, in der die Stimmen vollständig ausgezählt sind. Gewonnen hat die SPD vor den Linksliberalen und dem Zentrum. Die rechten Deutschnationalen sind weit abgeschlagen. In anderen Wahlbezirken sieht es ähnlich aus. Aus dem Rahmen fällt Leipzig. In der Stadt, die als ein Hort der Deutschkonservativen galt, liefern sich USPD und Linksliberale ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die SPD hält noch Platz drei, während die Deutschnationale Volkspartei auch hier abgeschlagen ist (aber immerhin noch vor dem im protestantischen Osten unbedeutenden Zentrum liegt).

Am Ende wird die SPD trotz allem, was passiert ist, stärkste Partei, wenn sie auch weit von einer absoluten Mehrheit entfernt ist. Sie erhält, 37,9 Prozent der Stimmen – das sind 3,1 Prozent mehr als die noch vereinte Linke bei den Reichstagswahlen 1912 bekommen hat – und 165 Sitze in der Verfassungsgebenden Nationalversammlung. Auf Platz zwei folgt das in Christliche Volkspartei umbenannten Zentrum mit 19,7 Prozent und 89 Mandaten. Es kann sich auf seine katholische Stammwählerschaft verlassen und hat sogar noch 3 Prozent dazugewonnen – trotz der Koalition mit der SPD in der Regierung Max von Baden, die nicht jedem gefiel. Dritter Gewinner ist der dritte Partner im Kabinett Baden, die linksliberale Partei, die inzwischen Deutsche Demokratische Partei heißt. Sie bekommt 18,5 Prozent der Stimmen – was einen satten Zugewinn von 6,6 Prozent bedeutet – und 74 Mandate. Die rechte Deutschnationale Volkspartei erringt 10,3 Prozent und 41 Prozent der Stimmen, etwas weniger als die Deutschkonservativen 1912. Auf Platz 6 folgt die USPD mit 7,6 Prozent der Stimmen und 22 Sitzen. Größter Verlierer sind die nun unter dem Namen Deutsche Volkspartei fungierenden Nationalliberalen, die nur 4,4 Prozent und 23 Sitze erringen, was Verluste von über 9 Prozent gegenüber 1912 bedeutet. Dann gehen noch 4 Mandaten an den Bayerischen Bauernbund, drei an die Deutsch-Hannoversche Partei, eines an die Schleswig-Holsteinische Bauern- und Landarbeiterdemokratie und ebenfalls eines an den Braunschweigischen Landeswahlverband.

Die SPD gewinnt auch die meisten Wahlkreise. In den katholischen Gegenden im Westen und Süden setzt sich das Zentrum durch. Merseburg und Leipzig gehen an die USPD, Posen – soweit dort wegen der alliierten Besatzung überhaupt gewählt werden kann – an die Deutschnationale Vaterlandspartei. Unter den 421 gewählten Abgeordneten sind 37 Frauen (drei weitere rückten später noch nach). Das sind nur 8,1 Prozent, aber auf wesentlich höhere Quoten wird es auch der Bundestag erst ab 1987 bringen.

 

Gustav Noske verspricht unterdessen, alle Truppen der Armeeabteilung Lüttwitz mit Ausnahme der Brigade Reinhard und der Marinebrigade aus Berlin wegzuverlegen. Letztere sollen für den Notfall zum Schutz der Regierung in Berlin bleiben. In erster Linie aber soll die Sicherheit in der Stadt durch Polizei, Sicherheitswehr sowie die Berliner Truppen gewährleistet werden. Alle Bürgerwehren seien zu demobilisieren, sollen jedoch nicht aufgelöst werden, sondern bei Bedarf von der Regierung wieder einberufen werden. Die Mitglieder müssen auf Listen verzeichnet, die Waffen in gut gesicherten Depots abgegeben werden. Trotzdem werben die Freikorps weiter um neue Mitglieder.

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